Kindermundgesundheit: immer besser – aber….

dginews-logo28.09.2017

Bildquelle: iStock/ulkas

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Bei einem Kongress für Kinderärzte und Kieferorthopäden im April in Frankfurt stellte Prof. Dr. Stefan Zimmer von der Universität Witten-Herdecke aktuelle Daten zur Mundgesundheit der Kinder vor. Grundlage war die kürzlich veröffentliche V. Deutsche Mundgesundheitsstudie. Sehr eindrucksvoll sei der Vergleich der Daten von heute mit denen von vor rund einhundert Jahren: Im Jahr 1904 hätten noch 97 % der Kinder an Karies gelitten. Heute hätten die meisten Kinder kariesfreie Zähne. Dass der Durchschnitt der Kariesanzahl bei Kindern dennoch nicht bei Null liege, hänge mit der weniger guten Mundgesundheitssituation bei Kindern aus sozial schwachen familiären Rahmenbedingungen zusammen.

Kinder aus solchen Familien hätten aber nicht nur mehr kariös zerstörte Zähne, sondern auch deutlichen Behandlungsbedarf. Laut einer früheren Studie sei jedes zweite Kind, das hätte behandelt werden müssen, gar nicht zur Behandlung erschienen. Die Konsequenz seien bereits in jungen Jahren zerstörte oder gar verloren gegangene Milchzähne mit allen problematischen Folgen für das bleibende Gebiss. Auch bleibende Zähne bei Kindern und Jugendlichen seien oft schon deutlich geschädigt. In der Regel helfe es solchen Kindern und ihren Eltern nicht, sie zu Maßnahmen aufzufordern, da sie diesen selten folgten – sinnvoller sei dagegen beispielsweise die Anwendung von fluoridiertem Salz in der Küche der Familie, was wenigstens ein wenig zur Verbesserung des Zahnschmelzschutzes beitrage.

Nickel: im Mundraum eventuell hilfreich

dginews-logo26.09.2017

Bildquelle: BDK/Pietschmann

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Eine spannende Studie an der Universität Bonn hatte vor einigen Monaten zu Erstaunen nicht nur in der Fachwelt geführt: Demnach weisen entsprechend veranlagte Menschen zwar allergische Reaktionen auf nickelhaltige kieferorthopädische Apparaturen auf – diese seien für den Körper aber eher eine „Immunisierung“ als eine Belastung. Der Mundraum reagiere, so PD Dr. Lina Gölz von der Universität Bonn bei einem Fachkongress, anders auf den Kontakt mit dem Metall als die Haut des Menschen. Die sehr minimale Abgabe von Nickelstoffen im Mund habe dazu geführt, dass Nickel-Allergiker bei einem späteren Kontakt mit Nickel (Jeansknopf, Modeschmuck, Piercings…) deutlich weniger allergische Reaktionen zeigten als Menschen ohne die „Immunisierung“ durch die zuvor getragene Zahnspange.

Die Apparatur habe gewisserweise einen Effekt wie eine „Impfung“ gegen Nickelallergie. Bei einer Pressekonferenz einige Wochen später antwortete DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz auf die Frage, ob es auch bei Titan-Implantaten einen ähnlichen Effekt einer Art „Immunisierung“ gebe, dies sei in der Tat in etwa vergleichbar.

Zurückweichendes Zahnfleisch: eine interdisziplinäre Aufgabe

dginews-logo19.09.2017

Bildquelle: iStock/Barabasa

Es gibt viele Gründe, warum das Zahnfleisch im Laufe der Lebensjahre zurückweicht und, was diese Entwicklung so problematisch macht, den schmerzempfindlichen Zahnhals freilegt. Beispielsweise kann dies Folge von falschem und zu kraftvollem Putzverhalten sein. Oder der Patient presst seine Zähne beispielsweise beim Schlafen zu kraftvoll aufeinander, dann weicht das Zahnfleisch vor diesem Stress zurück. Es gibt viele weitere Ursachen, die der Zahnarzt bei der Untersuchung des Zahnzustandes erkennen wird, er ist also auch die beste Quelle, um nach den persönlichen Gründen für die freiliegenden Zahnhälse zu fragen. Wenn es aber darum geht, diese zu behandeln, kann zusätzliche Expertise notwendig sein. Hier sind parodontologisch erfahrene Zahnärzte ebenso gefragt wie Fachzahnärzte für Kieferorthopädie oder auch solche mit besonderer Kenntnis rund um die Chirurgie im Mundraum, sagte Professor Dr. Philipp Mayer-Marcotty von der Universität Göttingen kürzlich bei einem Kongress zur Erwachsenenbehandlung.

Manchmal mache es Sinn, schief stehende Zähne erst einmal kieferorthopädisch aufzurichten, um sie wieder gerade ins Zahnbett zu stellen. Da das verloren gegangene Zahnfleisch in der Regel nicht oder nicht komplett wieder zurückkommt, kommen kleinere chirurgische Eingriffe in Betracht, die Gewebe aus anderen Mundbereichen an die Stelle des verloren gegangenen Zahnhals-Schutzes einsetzen. Es sei gut, dass die moderne Zahnmedizin über eine Vielzahl an Verfahren verfüge, aber auch eine Vielzahl an Experten, die sich jeweils besonders mit der einen oder anderen Vorgehensweise auskennen.

Archäologie: Kiefer erzählen Geschichte

dginews-logo14.09.2017

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Evolutionsbiologe und Ausgrabungsexperte Prof. Dr. Thomas M. Kaiser/Hamburg berichtete bei einem zahnmedizinischen Fachkongress in München über die bedeutende Rolle, die Kiefer-Funde für die Datierung der Menschheitsgeschichte, aber auch ihre Wanderungen in den letzten Jahrtausenden spielen: Beispielsweise könne man an der Form der Zähne feststellen, welche Art Nahrung dieser Urmensch zu sich genommen hat – so könne man Spuren verfolgen, wie diese spezielle Entwicklungsart auf der Suche nach Lebens- und Nahrungsraum Länder und Kontinente durchwandert hätte.

Auch Form und Größe der Kiefer lassen Gruppeneinteilungen zu und so Verbindungen, wann und auch wo sich verschiedene Völker begegnet sind und durchmischten. Manchmal schreibe so ein Fund auch die Menschheitsgeschichte um, weil eine neue Entdeckung bisherige Vorstellungen korrigierte. Möglich ist das nur, weil bei günstigen Umgebungsverhältnissen auch der Knochen die Jahrtausende überstehen konnte – Zähne (hier im Bild: Mammut-Gebiss) hingegen seien beinahe „unverwüstlich“ und beste Botschafter früherer Lebensumstände.

Schaffensjahre: oft erste Zahnbettschäden

dginews-logo12.09.2017

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Während bei manchem die Karriere im Alter von 40 Jahren und darüber deutlich bergauf geht, geht die Mundgesundheit oft schon deutliche Schritte abwärts: Mundgesundheitsuntersuchungen zeigen, dass nicht nur erste Zähne geschädigt oder bereits verloren sind – auch das Zahnbett selbst hat die anspruchsvollen Jahre nicht unbeschadet überstanden. Auch Stress und Zähneknirschen bzw. Zähne aufeinander pressen kann zu Schäden an den oralen Strukturen führen. Nicht zuletzt sind Zahnbeläge in Nischen, die nicht erfolgreich gereinigt wurden, oft schon mehrere Jahre unbemerkt aktiv und haben Knochen- und Zahnfleischgewebe geschädigt. Auch manche chronische Allgemeinerkrankung ist ein Risiko für die Mundgesundheit. Stehen Zahnersatz-Behandlungen an, mit oder ohne Implantate, eventuell auch eine kieferorthopädische Korrektur der Zahnstellung zur Optimierung des Raumangebotes für die Prothetik, müssen solche Mund-Infektionen sehr genau geprüft werden, ob nicht eventuell erst eine Ausheilung notwendig ist – darauf machte kürzlich Prof. Dr. Andreas Jäger von der Universität Bonn aufmerksam. Zu einer langfristig gesunden Zahnersatzversorgung gehörten gesunde bzw. wieder krankheitsfrei gewordene Mund-Situationen, eine gute Okklusion (Zusammenspiel der Zähne von Ober- und Unterkiefer) und, weil dies für Patienten wichtig und motivierend ist, ein nicht zuletzt ästhetisches Ergebnis. Auch der gefürchtete Zahnverlust bei einer Parodontitis lasse sich, nicht zuletzt in Zusammenarbeit mit verschiedenen zahnärztlichen und ärztlichen Kollegen, oft vermeiden.

Behandlungsplan: Manchmal ist der Hausarzt nötig

dginews-logo07.09.2017

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Wenn bei einem Erwachsenen oder alten Patienten eine Zahnbehandlung ansteht, insbesondere eine Zahnersatz-Lösung zum Ausgleich verloren gegangener eigener Zähne, kann es Sinn machen, wenn der Hausarzt hinzugezogen wird: Er kennt seinen Patienten und dessen gesundheitliche Voraussetzungen am besten und kann beurteilen, ob eine Behandlung damit gut vereinbar ist oder besondere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Insbesondere wenn ein kleiner operativer Eingriff im Mund ansteht, beispielsweise ein Implantat gesetzt werden soll, muss gesichert sein, dass dies die Allgemeingesundheit des Patienten nicht belastet. Solche Rücksprache ist natürlich nicht in jedem Fall notwendig, bei bestehenden chronischen Erkrankungen oder speziellen Medikamenten im Dauergebrauch aber oft sinnvoll.

Darauf wies Professor Dr. Philipp Meyer-Marcotty von der Universität Göttingen bei einem zahnärztlichen Kongress in München hin. Auch die Expertise von in Erwachsenenkieferorthopädie erfahrenen Fachzahnärzten könne eine gute Unterstützung der geplanten Behandlung darstellen. Bisher seien die hier möglichen sehr verschiedenen Verfahren aber prothetisch und implantologisch arbeitenden Zahnärzten oft nicht bekannt, hier bestehe noch Informations- und Aufklärungsbedarf.