Nützliche Partner: Implantologie und Kieferorthopädie

dginews-logo28.04.2016

X-ray scan of human jaw with missing teeth

Für viele ist diese Kombination noch Neuland: Was hat Kieferorthopädie mit Implantologie zu tun? Eine ganze Menge, wie Oberärztin Dr. Susanne Wriedt (Mainz) kürzlich bei einem implantologischen Fachkongress in Berlin darstellte.

Beispielsweise könne mit kieferorthopädischen Verfahren eine zu enge Zahnlücke so verbreitert werden, dass ein Implantat ausreichend Kieferknochen und Weichgewebe vorfindet, um stabil einheilen zu können. In Fällen, wo es an ausreichend gesundem Kieferknochen fehlt, kann unter bestimmten Bedingungen ein kieferorthopädisches Vorgehen für mehr natürlichen eigenen Knochen sorgen. Falls ein Implantat in eine Zahnreihe eingesetzt werden muss, die selbst oder deren gegenüberliegende Zähne nicht in einem guten Kontakt stehen, können spezielle kieferorthopädische Apparaturen ein harmonisches Miteinander in der Kaufunktion ermöglichen.

Aber auch umgekehrt profitieren beide zahnmedizinischen Fächer voneinander: Manches kieferorthopädische Ziel ist nur dann zu erreichen, wenn kleine Implantate als „Anker“ für die Apparatur zur Zahnbewegung zur Verfügung stehen. Patienten sollten sich daher nicht wundern, wenn ihr implantologisch arbeitender Zahnarzt zu einer vorbereitenden kieferorthopädischen Behandlung rät: In bestimmten Fällen lassen sich dadurch chirurgische Begleit-Eingriffe sogar vermeiden.

Hohes Alter: Zahngesundheit unterschätzt

dginews-logo26.04.2016

Bildquelle: iStock/ Stock Shop Photography LLC

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Es gebe sehr viele Studien, die zeigten: Patienten in hohem und sehr hohem Lebensalter unterschätzten oft den Gesundheitszustand ihres Gebisses erheblich – darauf wies Prof. Dr. Bernd Wöstmann (Gießen) bei einem Implantologie-Kongress im Frühjahr in Berlin hin. Sie seien „zufrieden“ mit teilweise zerstörter, von bakteriellem Zahnbelag massiv belasteter Prothetik. Während einige dieser alten Patienten auch – so eine Studie an seiner Klinik – bei einem Angebot für kostenlose Neuversorgung keinerlei Interesse zeigten, hatte die andere Hälfte der Befragten das Angebot gern angenommen.

Auch eine Implantatversorgung konnten sich die Betagten vorstellen – für bessere Lebensqualität. Implantate verbesserten beispielsweise das Kauvermögen sowie das Sprechvermögen und erhöhten die Sicherheit, die „Dritten“ nicht so leicht zu verlieren. Zwar hätte sich die Ernährung der alten Patienten bei neuer Prothetikversorgung nicht verbessert und die Patienten seien ihren „Ernährungssünden“ treu geblieben – dennoch zeigten weitere Studien, dass bei einer Anzahl von mindestens 21 Zähnen die Chance auf einen BodyMassIndex/BMI im normalen Bereich bemerkenswert erhöht sei.

Angehörige von älteren und alten Patienten sollten diese daher hinsichtlich besserer Prothetik beraten, nicht aber unter Druck setzen: Alte Menschen, zumal mit Anzeichen einer Demenz, kämen mit neuen Prothesen aus vielen unterschiedlichen Gründen oft nicht mehr gut zurecht. Wenn Betroffene dagegen aufgeschlossen sind für eine Änderung ihres Zahnersatzes, werde er meist auch gut angenommen.

Mundschleimhauterkrankungen: mehr Frauen

dginews-logo21.04.2016

Bildquelle: iStockphotos

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Mundschleimhauterkrankungen gehören zu den Krankheitsbildern, bei denen mehr als früher auf geschlechterspezifische Unterschiede geachtet wird – darauf wies Privatdozentin Dr. Dr. Christiane Gleissner, Präsident der Fachgesellschaft „Gender Dentistry“, in einem Fachgespräch mit Journalisten hin.

Mundschleimhauterkrankungen seien häufig chronisch-entzündlicher Natur, sie könnten zudem im Mund sichtbare Symptome von Autoimmunerkrankungen sein. Von diesen seien Frauen häufiger betroffen. Sie hätten ein aktiveres und erfolgreicher arbeitendes, zudem langsamer alterndes Immunsystem als Männer.

Dieser Unterschied habe gute und weniger gute Effekte für die Frauen: Einerseits hätten sie dadurch eine bessere Infektabwehr, andererseits aber auch ein erhöhtes Risiko für Autoimmunerkrankungen.
Auch Abstoßungsreaktionen nach Organtransplantationen seien bei Frauen häufiger als bei Männern. Aktuelle Studien aus China ließen geschlechterspezifische Aspekte auch bei genetischen Ursachen von Mundschleimhauterkrankungen erkennen.

Die derzeit sehr aktive Forschung ermögliche, so die Hoffnung der Wissenschaftler, bessere Vorbeugung und Behandlung.

Munderkrankungen: Gingivitis und Stomatitis

dginews-logo14.04.2016

Bildquelle: Shutterstock

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Im Mundinneren, genauer: an der Mundschleimhaut kann es zu vielen verschiedenen Störungen und Krankheiten kommen. Sie sind oft auf den ersten Blick nicht leicht zu erkennen. Was Laien für eine „Zahnfleischentzündung“ (Gingivitis, sehr verbreitet) halten, könnte insofern auch eine „Stomatitis“ (seltener) sein.

Die Stomatitis, die fast immer größere Bereiche des Mundes und des Gaumens betrifft, hat ebenso wie die Gingivitis, die eher rund um die Zähne auftritt, weitgehend die gleichen Ursachen, wie Prof. Dr. Nicole Arweiler/Marburg vor wenigen Wochen in einem Interview herausstellte: Bakterien, Pilze, Viren, aber auch Verletzungen oder Kontakt mit chemischen bzw. allergischen Schadstoffen. In den Symptomen dagegen unterscheiden sich beide Mundentzündungen deutlich: Während eine Gingivitis durch gerötete und bei Berührung oft blutende Schleimhaut zu erkennen ist, geht eine Stomatitis darüber hinaus meist einher mit allgemeinen Symptomen wie Fieber, Mundtrockenheit, erhöhtem Speichelfluss und manchmal auch Bläschen.

Auch ein intensiver Mundgeruch ist möglich: Die Stomatitis wurde daher früher als „Mundfäule“ bezeichnet. Bei Veränderungen an der Mundschleimhaut solle man in einer Zahnarztpraxis nach den Ursachen schauen lassen – schon allein, um einer ungünstigen Verschlimmerung Einhalt zu gebieten.

Nano-Strukturen – Starke Zähne

dginews-logo12.04.2016

Bildquelle: gettyimages

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Ein interdisziplinäres  Wissenschaftler-Team an der Charité hat die Biostruktur der Zahnsubstanz Dentin („Zahnbein“) und deren innere Abläufe entschlüsselt. Ausgangspunkt für die Studie war die Beobachtung, dass – anders als Knochen – Dentin weder Risse noch Brüche wieder heilen oder notfalls reparieren kann. Dennoch muss es einen Schutz geben, der dafür sorgt, dass Schäden an diesem organischen Material gar nicht erst entstehen und wenn, dann begrenzt bleiben.

Bei der Studie wurde deutlich, dass Nano-Strukturen diese Schutzfunktion übernehmen. Es hat sich gezeigt, dass mineralische Nanopartikel in ein dichtes Netz aus Kollagenfasern eingebettet sind. Werden diese Strukturen zusammengedrückt, werden die Mineralteilchen komprimiert. Dabei entstehen im Dentin Spannungen, die die Belastbarkeit der Biostruktur deutlich erhöhen. So ergibt sich ein gewisser Schutz für den Zahn gegen Risse oder Brüche.

Das Wissen kann beispielsweise dazu beitragen, noch effizientere Dental-Keramiken zu entwickeln, die den starken Kräften, aber auch den Zahn-Zerstörungs-Risiken im Mund besser Widerstand leisten.

Blutgerinnungshemmer: Bei Implantation absetzen?

dginews-logo05.04.2016

Bildquelle: dreamstime.com

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Viele vor allem ältere Patienten erhalten zur Vorbeugung von Blutpropfbildung und dem damit einhergehenden Risiko von Schlaganfällen oder Herzinfarkten sogenannte Antikoagulantien: Diese Medikamente hemmen die Blutgerinnung und machen das Blut leichtflüssiger. Der ungünstige Nebeneffekt: Schon bei kleinen Verletzungen sind Blutungen meist nur schwer zu stillen.

In der Zahnarztpraxis müssen daher Patienten, die solche Medikamente (Markenname beispielsweise Marcumar) einnehmen, auf eventuell gefäßverletztende Behandlungen besonders vorbereitet werden. Bisher bedeutete das, dass diese Patienten rund eine Woche vor dem geplanten kleineren oder einem größeren Eingriff wie beispielsweise einer Implantatbehandlung ihr Medikament absetzen mussten – was trotz weiterer Maßnahmen das mögliche Risiko für einen Schlaganfall in dieser Zeit nicht ganz ausschloss.

Wie Prof. Dr. Georg Maschmeyer, Hämatologe an einer Klinik in Potsdam, kürzlich bei einem Zahnärzte-Fachkongress in Berlin berichtete, steht inzwischen eine neue Generation an Antikoagulantien zur Verfügung, die im Vorfeld eines operativen Eingriffs nicht mehr abgesetzt werden müssen. Bislang konnten sie sich in der Medizin noch nicht wirklich durchsetzen, weil ein „Gegenmittel“ fehlte, um eine übermäßige Blutung zu stoppen. Solche Präparate stehen aber derzeit kurz vor der Zulassung, so dass es in naher Zukunft deutlich einfacher wird, auch Patienten, die Gerinnungshemmer nehmen müssen, in Zahnarztpraxen chirurgisch zu behandeln und beispielsweise mit Implantaten zu versorgen.